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Rätsel über Rätsel: Der Burgstall Theinselberg und seine Geschichte

 

 

Die Bezeichnung „Burgstall“ bedeutet einerseits die Stelle einer Burganlage, andererseits ist damit im Spätmittelalter auch eine bestimmte Bauform, eine Turmburg auf einem Hügel, gemeint.

Der Theinselberg ist mit über 718 m ü. NN eine markante Erhebung über dem breiten Talgrund. Die beherrschende Lage lässt vermuten, dass er bereits in vorgeschichtlicher und römischer Zeit besiedelt war. Bis auf einige Münzen aus der Zeit des Kaisers Augustus fehlen allerdings bisher entsprechende Funde. Durch das Tal führte zur Römerzeit die wichtige Strasse zwischen Cambodonum (Kempten) und Caelio Mons (Kellmünz).

Über die Herkunft des erstmals 1097 erwähnten Namens „Theinselberg“ gehen die Meinungen auseinander: Manche sehen das illyrisch-keltische Wort dunicellus für „kleiner Hügel“ als Ursprung, andere den germanischen Personennamen Teinzilo.

Die frühe Geschichte von Burg und Herrschaft Theinselberg liegt im Dunkeln. Im Hochmittelalter bestand auf dem Theinselberg wahrscheinlich schon eine Burganlage: Der Hügel der Hauptburg ist – wie für diese Zeit typisch – durch einen tiefen Halsgraben aus der Spornspitze herausgeformt. Weitere Gräben und Wälle unterteilen die Vorburg, in der Ställe und Wirtschaftsbauten standen. Durch den äussersten Graben führt noch heute die Strasse über den Theinselberg.

Archäologische Ausgrabungen, die eine genauere Rekonstruktion der Burganlage ermöglichen, fehlen bislang. 1845 wurde ein Töpferofen aus dem 11. oder 12. Jahrhundert beobachtet, 1908 ein Kellergewölbe, Brandschutt und Mauerreste.

Sicher schon im 12. Jahrhundert stand die Kirche St. Afra am Rande der Vorburg. Zur Burg gehörte ferner die Aymühle als Burgmühle.

Burganlage der Zeit um 1200, wie sie auf dem Theinselberg gestanden haben könnte.

1

Hauptburg mit Wohnturm, Wohnsitz der Adelsfamilie

6

Halsgraben

2

Vorburg mit Stall und Speicher

7

Flechtwerkpalisade

3

Vorburg mit Werkstätten, Wohngebäuden, Kellern und Zisternen

8

Palisade

4

Abschnittsgräben (heute verfüllt)

9

Grubenhäuser (Webkeller)

5

Ringgraben

10

Backofen / Brennofen

 

 

 

 

 

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Standort der Schautafel

Wechselnde Herrschaften

 

 

Vermutlich sass im Hochmittelalter eine Dienstmannfamilie der Welfen oder des Klosters Ottobeuren auf der Burg Theinselberg. Eine Familie, die sich nach der Burg benannte ist nicht bekannt.

Erst 1365 ist ein urkundlicher Hinweis auf die Burg zu finden. Damals stifteten Hans und Konrad von Ratzenried die Vogtrechte über den zur Burg gehörenden Meierhof an das Spital in Memmingen. Die weitere Besitzgeschichte der Burg ist sehr wechselhaft: Von den Herzögen von Teck kam sie über deren Erben Bruno von Rechberg durch Kauf an Hans vom Stein zu Ronsberg. Dieser verkaufte sie an Ludwig von Rotenstein, der sie an die Erbmarschälle von Pappenheim vererbte. 1692/95 kaufte schliesslich das Fürststift Kempten Burg und Herrschaft und behielt sie bis zur Säkularisation 1803.

Wann der sogenannte Blutbann, die wichtige Hochgerichtsbarkeit, an die kleine Herrschaft kam, ist unklar. Der Galgen stand am sogenannten Galgenrain, ca. 150 m südlich der Kirche auf dem Theinselberg. Der Pranger war an der Strasse in Lachen aufgestellt.

Herren von Ratzenried
bis ca. 1370

Herzöge von Teck
ca. 1370 - 1439

Hans vom Stein zu Ronsberg
1439 - 1442

Herren von Rotenstein
1442 - 1482

Marschälle von Pappenstein
1482 - 1692/95

Fürststift Kempten
1692/95 - 1803

 

 

Text: Birgit Kata M.A.
Rekonstruktionszeichnung: Roger Mayrock